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    Geschichte

    Keramikfliesen als Wandbelag wurden im Altertum bereits in Ägypten, Mesopotamien und Persien angewendet, besonders in der islamisch-arabischen Architektur. Mit den Mauren kamen farbig glasierte Fliesen nach Spanien und Portugal (siehe: Azulejos). In West- und Mitteleuropa wurden Fliesen im Mittelalter vor allem als Fußbodenbelag und zu Kaminumrandung genutzt. Diese Tonplatten waren häufig mit Reliefverzierungen versehen oder es wurde andersfarbiger Ton eingelegt, so dass ein zweifarbiges Muster entstand. Für das XV. und XVI. Jahrhundert finden vor allem Fayencefliesen aus Italien, Spanien und Frankreich Erwähnung. Von dort gelangten die Fayencen nach Antwerpen, wo sich zwischen 1520 und 1570 ein Zentrum der Fliesenherstellung entwickelte. Nach dem Frieden von Antwerpen 1609 nahm man in den Niederlanden die Fliesenherstellung auf. Obwohl man meist von „Delfter Fliesen“ spricht, verliert Delft als Fliesenproduzent ab 1650 an Bedeutung und wird von Fabriken in Rotterdam, Utrecht, Haarlem und Makkum abgelöst. Die blau-weißen holländischen Fliesentableaus und Einzelfliesen erlangten eine solche Bedeutung, dass sie sogar wieder nach Portugal exportiert wurden oder die Herstellung von „Azulejos in der holländischen Mode“ anregten. Auch Norddeutschland und Dänemark importierten Delfter Fliesen, mit denen häufig ganze Stuben (Pesel) ausgeschmückt wurden.
    Fliese—Weitergeleitet von Fliesen

    Fliesen sind künstlich hergestellte keramische Platten, die als Wand- und Bodenbeläge verwendet werden.

     

    Schnitt durch eine Feinsteinzeugplatte Herstellung

    Der Rohstoff für gebrannte Fliesen ist Ton. Zum Teil wird auch Porzellanerde (Kaolin) – ein feiner, eisenfreier, weißer Ton – als Bindemittel beigemengt. Zum Ton kommen weitere mineralische Zuschlagsstoffe wie Feldspat, Dolomit, Kalzit, Schamottemehl, Quarz, Sand oder gemahlenes Glas.

    Die Rohmasse wird entweder als Trockenpressmasse zu keramischen Fliesen (Feinkeramik) oder als plastische Masse mit höherem Wassergehalt in Strängen gepresst und anschließend zu Spalt- oder Bodenklinkerplatten (Grobkeramik) geschnitten. Anschließend werden die Rohlinge getrocknet, teilweise glasiert und gebrannt.

    Beim Brennen bei Temperaturen von 900 bis 1200°C bekommen die Rohlinge ihre endgültigen Eigenschaften und Gütemerkmale. Für eine farbige Glasur werden Metalloxide mit eingebrannt.

    Qualitätsmerkmale

    Fliesen werden im Wesentlichen nach ihrer Wasseraufnahmefähigkeit und der Beständigkeit ihrer Oberfläche gegenüber Abrieb (Abriebfestigkeit) klassifiziert. Ferner wird die Rutschhemmung ihrer Oberfläche bei Feuchte kategorisiert.

    Fliesen, die diese und etliche weitere Qualitätsprüfungen bestehen, kommen als Fliesen 1. Wahl in den Handel. Wenn nur eine der vielen Qualitätsanforderungen nicht erfüllt wird, werden die Fliesen als 2. Wahl vertrieben. Fliesen mit groben Fehlern werden als Ausschuss ausgesondert.

    Ferner unterscheidet man in Steingut (glasiert, nur auf der Oberfläche gefärbt) und Feinsteinzeug (unglasiert, komplett durchgesintert und durchgefärbt) sowie in Frostbeständigkeit (für die Verwendung im Außenbereich). Ausschlaggebend für letztere ist das Wasseraufnahmevermögen (s. u.).

    Wasseraufnahmevermögen gefliester Boden

    In der europäischen Norm EN 87 werden keramische Fliesen und Platten nach ihrem Wasseraufnahmevermögen in vier Gruppen unterteilt.

    Gruppe    Massen-% Wasseraufnahmevermögen

    I                höchstens 3 %

    IIa            3 % bis 6 %

    IIb            6 % bis 10 %

    III             mehr als 10 %

    Frostbeständig und somit für den Außenbereich geeignet sind nur Fliesen und Platten der Gruppe I. Auch Fliesen, die auf überdachten Flächen – z.B. auf Balkonen – vor Niederschlägen geschützt verlegt werden, müssen der Gruppe I zugeordnet sein, da sie dort nicht frostgeschützt liegen.

    Abriebfestigkeit

    Die Widerstandsfähigkeit glasierter Fliesen und Platten gegen Abrieb wird durch Schleif- und Sandstrahlprüfung bestimmt. Anhand der Prüfungsergebnisse werden die Fliesen und Platten in fünf Klassen eingeteilt.

    •                Klasse 1: für wenig beanspruchte Wandflächen, eingeschränkt auch für Barfuß- und Hausschuhbereiche in Bädern und Schlafzimmern

    •                Klasse 2: für eine leichte Beanspruchung in allen Wohnbereichen

    •                Klasse 3: für mittlere Beanspruchung in allen Wohnbereichen außer Küche, Diele, Terrasse

    •                Klasse 4: für hohe Beanspruchung in Hauseingängen, auf Terrassen, in Küchen, Arbeits- und in Wirtschaftsräumen;

    •                Klasse 5: für höchste Beanspruchung in allen Räumen und auf allen Flächen, die extrem belastet werden, z.B. in Garagen oder in der Industrie

     

    Bei der Boden-„Beanspruchung“ im Wohnbereich spricht man auch von Gehbelastung und viel bzw. wenig begangenen Flächen.

    Trittsicherheits-Bewertungsgruppen

    Nach DIN 51130 unterscheidet man in sogenannte R-Klassen. Je höher die hinter dem R stehende Zahl, desto rutschhemmender. Für den gewerblichen Bereich sind Klassen von R9 – R13 vorgeschrieben. Die BGR 181 der Berufsgenossenschaften findet jedoch keine Anwendung auf Fußböden in Arbeitsräumen, Arbeitsbereichen und betrieblichen Verkehrswegen, die trocken genutzt werden, und wo die Gefahr des Ausrutschens auf Grund gleitfördernder Stoffe nicht besteht. Im Zweifelsfall sollten die Berufsgenossenschaft oder die Gewerbeaufsicht zum jeweiligen Bauobjekt befragt werden

    Für den privaten Bereich gibt es keine Vorgaben, es empfiehlt sich aus Haftungsgründen auch hier die Verwendung von geprüften und zugelassenen Fliesen mit mindestens R9-Klassifizierung.

    Ferner unterscheidet man je nach Anwendungsfall für den Barfußbereich (DIN 51 097) in die Klassen A, B und C. In Bereichen, wo fettige oder „pastöse“ oder faserig-zähe Stoffe auf den Boden gelangen, müssen Fliesen auch noch einen „Verdrängungsraum“ besitzen, der nach vier V-Klassen bewertet wird.

    Werden Fliesen mit zu geringer Rutschhemmung eingebaut, drohen im Unglücksfall hohe Schadenersatzansprüche.

    Formate (in Deutschland)

    Wandfliesen: 10 x 10 cm, 15 x 15 cm, 18 x 18 cm, 13,5 x 19 cm, 15 x 22,5 cm, 20 x 20 cm, 20 x 25 cm, 15 x 20 cm, 20 x 33,3 cm, 28,4 x 40,8 cm, 30 x 40 cm, 30 x 50 cm 30 x 60 cm

    Bodenfliesen: 20 x 20 cm, 20 x 25 cm, 25 x 25 cm, 30 x 30 cm, 30,5 x 30,5 cm, 32 x 32 cm, 33 x 33 cm, 40 x 40 cm, 41 x 41 cm, 30 x 60 cm

    Überdies existieren Formstücke für Sockelausbildungen, Bordüren, Treppenstufen, Ecken etc. Auch spezielle Arten von Schienen für Anschlüsse an andere Bodenbeläge, Ecken etc. sind erhältlich.

    Fliesenspiegel

    Ein Fliesenspiegel ist ein Verlegeplan des ausführenden Gewerks, ähnlich beispielsweise einem Deckenspiegel. Charakteristisch ist hierbei der Meterriß, eine Linie, die in einem Meter Höhe über der Fertigfußbodenoberkante gezogen wird. Ebenso die vertikale Bezugsachse. Beide dienen der Orientierung des Handwerkers und liefern Distanzkoordinaten zum Fliesenraster, sowie Anschlüssen von Sanitärinstallationen.

    Werkzeuge zum Fliesen legen

    Zum Verbauen werden folgende Werkzeuge benötigt:

    •                einen sauberen Eimer (10 l),

    •                einen Flexschneider, zum Schneiden von Fliesen,

    •                eine Fliesenhexe,

    •                ein Paar Knieschützer,

    •                eine Papageienzange zum Brechen von Löchern,

    •                einen Quirl zum Aufrühren der Klebers und Fugmörtel,

    •                ein Schlämmbrett zum Einschlämmen des Fugmörtels in die Fliesenfugen,

    •                ein Schwammbrett, mit dem die Fliesenfuge beigearbeitet und der überflüssige Fugmörtel aufgewischt wird,

    •                einen Winkel für das winkelgerechte Anlegen der ersten Fliesen,

    •                eine Zahnkelle zum Auftragen von Fliesenkleber.

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